nein, #DearDemocracy, so geht das nicht. oder: wenn politische bildung zu unter⤵haltung wird. @RenatKuenzi

schon wieder einen einen eintrag in den zettelkasten zu #DearDemocracy. vorher gab es schon vier zettel. auslöser heute? dieser tweet:

selbstverständlich kann politik – oder auch politische bildung – unterhaltend inszeniert werden. das beweisen die parteien schon lange. dazu brauchte auch gar nicht das internet erfunden werden. der wunsch, bei menschen – möglichst vielen – aufmerksamkeit zu ergattern, ist ein altes, nicht auf massenmeden beschränktes, phänomen.

interessant ist es über all die jahre geblieben, die bemühungen der kampagnenmachenden zu beobachten. die frage ist, wo unter aktuellen bedingungen ein besonders günstiger einblick auf diese versuche gemacht werden kann. meine entscheidung ist klar. diese trends im grossen unter dem mikroskop zu beobachten: dazu eignet sich twitter.

twitter ist vielleicht die granularisierenste möglichkeit, eigene beobachtungen offen zugänglich abzulegen. viele menschen kommunzieren hier mit vielen menschen. gleichzeitig. parallel. simultan. nebeneinander her. und gar nicht immer mit menschen. es sind „social bits“ welche hier unterwegs sind. und hier her kommen auch die alten kampen. eben, diese kampa-macher aus massenmedialen zeiten. solche, die sich gewöhnt sind, lärm zu machen. aufmerksamkeit zu erhaschen. und einmal geköderte mit geeigneten methoden der „abschaltvermeidung“ vorzubeugen.

darauf nimmt dieser tweet bezug. dani graf gab gestern eine vorlage. ich habe kurz gezeigt, was ich sehe. und dann wurde gleich weiter gezogen. bis zu jenem tweet, welcher hier anlass zu diesen zeilen wurde.

gestern war slavoj in der stadt. heute publizierte eine edelfeder einen text über peter thiel. und das reisst ein aktuelles themenfester weit auf:

#DearDemocracy

mit diesem hashtag versucht @swissinfo_de das thema der „demokratie“ zu inszenieren. das hat freilich ganz eigene gründe. es tut aber so, als gäbe es da den anspruch auf „politische bildung“. ein feld, was in der schweiz keinerlei tradition hat. aus deutscher sicht ist das weniger überraschend, als umstandlos skandalös. wobei die politische bildung in deutschland nicht sehr erfolgreich sein kann, wie aktuelle beispiel zeigen. mit anderen worten:

politische bildung ist ein echtes sorgenkind.

alle düdeln zwar von demokratie. von rinks bis lechts. von fortvativ bis konserschrittlich. niemand könnte aber erklären, was damit gemeint ist. demokratie ist einfach gut. und was wir nun in den ersten tagen der kamagne #DearDemocracy sehen, ist präzis diese wiederholung. demokratie ist gut. es gibt noch ein paar detailfragen. brieflich oder elektronisch abstimmen. zum beispiel. viele unterschriften für eine volksinitiative oder wenige. und schnell finden sich dazu auch ein paar „experten“. politiker springen vor jedes mikrofon.

constantin seibt übersetzte einen satz von peter thiel. im original:

Much of it felt like trench warfare on the Western Front in World War I; there was a lot of carnage, but we did not move the center of the debate.

auch schön zu übersetzen wäre:

In our time, the great task for libertarians is to find an escape from politics in all its forms — from the totalitarian and fundamentalist catastrophes to the unthinking demos that guides so-called “social democracy.” (hervorhebung sms)

ganz anders. aber ganz ähnlich sucht slavoi žižek nach den brutalstmöglichen beispielen. es geht darum, zu zeigen, dass es so nicht weiter geht. es geht darum, zurück zu den ganz urprünglichen herausforderungen zu finden:

  • wie wollen wir zusammen leben?

  • und falls ja: wer ist dieses WIR?

persönlich gehe ich davon aus, dass wir weniger vor einem nächsten „weltkrieg“ stehen, wie es slavoj in der beantwortung der ersten frage von einem gewissen iso (camartin?) ausführte. ich denke eher in die richtung, wie slavoj in der weiteren folgen argumentiert hat und beispiel um beispiel brachte: was tun diese computer? haben sie sich bereits von den menschen gelöst? ist bereits eine ebene einzogen worden, zu welcher menschen gar keinen zugang mehr haben?

stehen wir vor einer zweiten reformation?

dieses mal ginge es dann nicht mehr darum, einen unverstellten, unvermittelten zugang zu gott zu behaupten, sondern einen direkten zugang zu unseren daten zu bewahren. oder muss auch die identität des menschen abgelöst vom körper entwickelt werden? wie auch immer:

die fragen, sind zu gross, als dass sie im bisher gewöhnlichen format bearbeitet worden sind. und die schweiz ist sicher ein idealer ort für (gedankliche) experimente. schon 1848 war die schweizerische bundesverfassung ein update auf die usa, die damals fortschrittlichste „demokratie“. warum also nicht ein nächstes update? „staat 2.0“

erinnern – gedenken – erneuern

zum beispiel so?


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