„trottelkartelle des gegenseitigen lobens“ #1968kritik

jürgen kaube & rainald goetz | die publikumsbeschimpfung als möglichkeit der inklusion, ist eine zentrale velwechsrung der 68er generation.

wenn #kritik als der motor – um es sehr gewählt mit einer mechanistischen metapher auszudrücken – für die ablösung einer vorgänging dominanten #kulturform gezeigt werden könnte, dann wäre die inklusion von unerwünschten, unerwarteten, widerborstigen hinweisen das benzin.

#kritik als arbeitsprinzip

#kritik gibt eine präzise antwort auf die frage WARUM? dabei wird sättigend fragestellung und rahmenbedingung expliziert. von fragestellung und rahmenbedingung. explizierung ist in diesem sozialen, grandiosen, gewaltigen MACHT_SPIEL das zauberwort. in jedem arbeitsschritt: EXPLIKATION. darum geht es. denn nur die explizierung ermöglicht das, was nachfolgend kommen wird. und alles – ich meine: alles (und das ist bekanntlich ziemlich viel. aber ich meine es genauso präzis!) – pulverisiert (schweizerisch, beni turnheer) und granularisiert (german, christoph kucklick) und und zum erwähnten „benzin“ werden lässt: eben: KRITIK.

<<daten>informationen>explizites wissen<

denn der explizierende expliziert in einer ganz bestimmten #form. nennen wir diese: linear-kausal. die kausa – all das was der fall ist, all das was aufgefallen ist, wird in einer linie aufgestellt. daten – um so die kleinste einheit einer beobachtung zu benennen, werden hintereinander gereiht. sie werden in die erwähnte „form“ überführt. und werden – darum nennen wir diese auch so – zu „informationen“.  daten werden informiert. informationen informieren uns. und sie formen uns. dabei wird schnell deutlich, dass die daten auch ganz anders hätten in form gestellt werden können. und uns vermutlich auch ganz anders informiert hätten. und uns vermutlich ganz anders geformt hätten. und immer so weiter. (lassen wird das.)

peter handke hat in seiner „publikumsbeschimpfung“ (1966) ganz präzis diese verquickung – was sich später als velwechsrung etablieren konnte – von #kritik und dem, was wir später als „1968“ gelabelt haben, in seinen ersten sätzen EXPLZIEIRT:

Sie werden kein Schauspiel sehen.
Ihre Schaulust wird nicht befriedigt werden.
Sie werden kein Spiel sehen.
Hier wird nicht gespielt werden.

#kulturform

je nach schöpfungsbericht gibt es sowas wie diesen körper, aus welchem ich mich huch!hier&jetzt!grad „heraus“imaginiere seit millionen von jahren. in meiner weissen, europäischen, alten „kultur“ darf ich bloss über zwei mögliche möglichkeiten reden, ohne für psychiatrisch problematisch erkannt zu werden. jene variante, dass der liebe gott die welt geschöpft hat, wird derzeit wieder hip und auch angeseheneste mitglieder der gesellschaftlichen schickeria verkünden lauthals, dass sie an diese ältere variante GLAUBEN. alle anderen glauben an die maschinerie der #kritik und nennen ihren glauben WISSEN. in jener jüngeren variante hat es irgendwann eine explosion gegeben. und dann musste bloss genügend lange gewartet und das ergodische system hat zack! die variante durchgespielt, dass da ein alter, grauhaariger, übergewichtiger mann an einem computer hockt und irgendwas in seinen zettelkasten tippt.

es wäre nun leicht zu zeigen, dass es wohl einfach wäre, sich darauf zu einigen, dass – egal an welche variante „geglaubt“ wird – diese menschlichen organismen seit jeher alle paar sekunden luft, alle paar minuten wasser, alle paar stunden schlaf brauchten. so auch wir heute. so auch unsere eltern. so auch unsere grosseltern. so auch die eltern unserer grosseltern. und immer so weiter. und – das ist der vorteil des älter werdens – dass selbst sich dieses verhalten durchaus  ändern und in anderen varianten realisiert werden kann. wenn du schnell in eine kleine tüte ein und ausatmest. wenn du meditierst und die atmung zur zentralen beobachtung machst. wenn du statt wasser wein trinkst. wenn du am tag schläfst und in der nacht schreibst. oder wenn du während dem schlafen twitterst. oder… etc. will sagen: selbst die basalsten tätigkeiten – vom essen bis zum kacken – es geht unterschiedlich. die idee ist nun einfach: wir tun für einen augenblick so, dass wüssten wir hier von vier unterschiedlichen, dominant gewordenen art und weisen, welche die grenzen des sozial akzeptierten unter⤵werfen konnten.

<<sprache>schrift>buchdruck>computer<

 (lassen wir auch das.) witzig zu bemerken ist vielleicht noch, dass die idee des explizierens, die mönche erfunden haben. allen voran augustinus. er nannte es bekenntnisse. aber das ist ein ganz typisches element bei diesem „kampf der kulturformen“. so weit wir sehen, hat sich eine nächstes dominante kulturform immer eines der lieblingselemente der vorhergehenden, zu bekämpfenden kulturform ausgesucht und dieses mehr als akzeptiert. mehr als affirmiert. nennen wir diesen sozialen trick hyperaffirmation.

es waren DADA welches dieses prinzip exzessiv betrieben hat. wir erinnern uns in zürich in diesem jahr 2016 in besonderer weise an diese zeit. #schurnalism, das von DADA verhasste feuilleton, die museumdirektoren und ausstellungsmacher – allesamt kinder (des geistes) der 68er-Generation – rächen sich an dieser „haltung“ damit, dass sie behaupten, DADA wäre es um unordnung gegegangen. und dann wird ordnung zelebriert. zb in dem die kunstwerke ganz ARTig „an die wand gestellt“ werden. die kuratoren nehmen die collagen und machen eben gerade keine collagen mehr. sondern sie stellen die einzelnen werke aus. obwohl DADA vor 100 jahren auch schon recht gut dokumentierten, bauen die museen nicht ihre ausstellungen nach, sondern sie zersauseln die arbeiten in ihre einzelheiten. sie behaupten, so können die werke besser verehrt werden. aber so können diesen eben auch besser identifiziert, getroffen, abgeschossen werden.

DADA hat gezeigt, dass #KRITIK eben gerade nicht mehr möglich ist. dass #KRITIK dumm geworden ist. beliebig. idiotisch. und wenn es hilft, könnte ein datum vorgeschlagen werden. einen namen. ein projektname. als demonstration, wie hellsichtig DADA war:

  1. 1939

  2. albert einstein

  3. projekt MANHATTAN

„I made one great mistake in my life — when I signed the letter to President Roosevelt recommending that atom bombs be made; but there was some justification — the danger that the Germans would make them.“

atombombe und gaskammer

atombombe und gaskammern. die zwei grossen symbole für das ende der #kritik. jetzt geht es anders weiter. mit den mitteln des anderen. des nächsten. der nächsten #kulturform

original

 

kronenhalle 3

volkhaus 2

kronenhalle 1

 


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